Vorwort
Warum dieses Handbuch da ist
Dieses Handbuch soll helfen, Burnout verständlich einzuordnen. Es richtet sich an Menschen, die sich dauerhaft erschöpft fühlen, an Angehörige, Freundinnen und Freunde, Partnerinnen und Partner, Kolleginnen und Kollegen und an Menschen, die merken: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Burnout wird oft erst spät ernst genommen. Viele funktionieren lange weiter. Sie halten Termine ein, übernehmen Verantwortung, sind zuverlässig und wirken nach außen belastbar. Innen ist aber kaum noch Erholung da.
Der Körper läuft weiter, obwohl das innere System längst Warnsignale sendet. Das Ziel dieses Handbuchs ist nicht, Menschen für ihre Erschöpfung verantwortlich zu machen. Es soll zeigen, wie Dauerstress wirkt, warum Leistung und Selbstwert oft eng zusammenhängen, welche Grenzen wichtig sind und wie Angehörige oder Teams unterstützen können. Grundgedanke Menschen sind mehr als ihre Symptome. Unterstützung soll nicht beschämen, sondern Sicherheit, Orientierung und Veränderung möglich machen.
Band 3
1. Worum es in diesem Handbuch geht
Burnout beschreibt einen Zustand tiefer Erschöpfung nach längerer Belastung. Besonders häufig wird er mit Arbeit verbunden. Er kann aber auch durch Pflege, Familie, Ausbildung, Studium, soziale Verantwortung, Existenzdruck oder eine Mischung aus vielen Anforderungen entstehen. Dieses Handbuch beschreibt Burnout alltagsnah. Es geht um Warnzeichen, Körperstress, innere Antreiber, Selbstwert, Beziehungen, Arbeit, Erholung, Rückkehr und Hilfewege. Erkennen Warnzeichen früher wahrnehmen.
Einordnen Burnout nicht mit Schwäche verwechseln. Verändern Grenzen, Pausen und Hilfe konkret machen.
Band 3
1.1 Was dieses Handbuch leisten kann
Es erklärt Burnout in einfacher Sprache. Es zeigt, warum dauerndes Funktionieren krank machen kann. Es beschreibt Körper, Gefühle, Denken und Beziehungen. Es gibt konkrete Hinweise für Betroffene und Umfeld.
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1.2 Was dieses Handbuch nicht leisten kann
Es stellt keine Diagnose. Es ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung. Es kann nicht sicher unterscheiden, ob Beschwerden durch Burnout, Depression, Angst, Trauma, Schlafmangel oder körperliche Erkrankungen entstehen.
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1.3 Warum Burnout oft spät erkannt wird
Viele Menschen merken lange nicht, wie erschöpft sie sind. Sie kennen nur diesen Zustand: weitermachen, funktionieren, noch eine Sache erledigen. Erst wenn Schlaf, Körper, Gedächtnis oder Gefühle deutlich kippen, wird sichtbar, wie groß die Belastung geworden ist. Ein Problem ist: Funktionieren wird oft belohnt. Wer immer einspringt, wirkt zuverlässig. Wer keine Grenzen zeigt, bekommt noch mehr Aufgaben. Dadurch kann ein Mensch nach außen erfolgreich wirken und innerlich immer weniger Spielraum haben.
Merksatz Burnout beginnt oft nicht mit Zusammenbruch. Er beginnt häufig mit dem Verlust von Erholung.
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2. Was Burnout ist und was nicht
Burnout ist kein Zeichen von Faulheit. Es ist auch nicht einfach ein schlechter Tag. Burnout entsteht oft, wenn Anforderungen, Verantwortung und innerer Druck länger größer sind als Erholung, Einfluss und Unterstützung. Fachlich wird Burnout häufig als Phänomen im Zusammenhang mit Arbeit beschrieben. Trotzdem können ähnliche Erschöpfungsmuster auch in anderen Lebensbereichen entstehen. Wichtig ist: Wer stark erschöpft ist, braucht Abklärung und Entlastung.
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2.1 Stress, Erschöpfung und Burnout
Stress Erschöpfung Burnout Kurzfristige Aktivierung. Kraft ist reduziert. Erholung greift kaum noch. Nach Pause oft besser. Pausen helfen teilweise. Auch Pausen fühlen sich zu wenig an. Kann sinnvoll warnen. Zeigt Belastung. Zeigt oft längere Überforderung.
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2.2 Häufige Missverständnisse
Missverständnis Hilfreichere Einordnung Burnout betrifft nur Menschen in großen Jobs. Auch Pflege, Familie, Schule, Studium und dauernde Verantwortung können erschöpfen. Wer ausfällt, war nicht belastbar. Viele fallen aus, weil sie zu lange belastbar waren. Ein Urlaub löst alles. Manchmal braucht es echte Veränderung, nicht nur kurze Pause.
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2.3 Fachliche Einordnung
Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Burnout als Phänomen im Zusammenhang mit Arbeit, nicht als eigenständige medizinische Diagnose. Genannt werden Erschöpfung, innere Distanz oder negative Haltung zur Arbeit und verringerte berufliche Leistungsfähigkeit. Das ist wichtig, weil starke Erschöpfung auch andere Ursachen haben kann. Depression, Angst, Schlafstörungen, körperliche Erkrankungen, chronische Schmerzen, Medikamente oder Suchtmittel können ähnlich wirken.
Eine fachliche Abklärung schützt davor, zu schnell nur von Stress zu sprechen. Frage Warum sie wichtig ist Hängt es klar mit Arbeit oder Verantwortung zusammen? Das spricht eher für ein Burnout-Muster. Frage Warum sie wichtig ist Ist Freude fast überall verloren gegangen? Das kann stärker auf Depression hinweisen. Gibt es starken Körperalarm? Angst, Panik oder körperliche Ursachen sollten geprüft werden. Hilft Erholung gar nicht mehr? Dann sollte breiter abgeklärt werden.
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3. Warnzeichen im Alltag
Burnout beginnt selten plötzlich. Oft gibt es viele kleine Warnzeichen, die lange übergangen werden. Man schläft schlechter, wird gereizter, kann sich weniger freuen oder braucht immer mehr Kraft für normale Aufgaben.
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3.1 Frühe Warnzeichen
Pausen werden gestrichen. Freude und Interesse nehmen ab. Gedanken kreisen um Aufgaben. Körperliche Anspannung bleibt auch in Ruhe. Kleine Unterbrechungen machen wütend oder verzweifelt.
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3.2 Fortgeschrittene Warnzeichen
Starke Erschöpfung schon morgens. Zynismus oder innere Distanz. Fehler nehmen zu. Rückzug von Menschen. Körperliche Beschwerden, Schlafprobleme oder Panikgefühle. Merksatz Warnzeichen sind keine Störung im System. Sie sind Informationen aus dem System.
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3.3 Warnzeichen in Gedanken
Ich darf jetzt nicht ausfallen. Wenn ich es nicht mache, macht es niemand. Ich muss nur noch diese Phase schaffen. Pausen bringen sowieso nichts. Ich bin nur noch müde, aber ich kann nicht stoppen. Solche Gedanken sind nicht automatisch falsch. Manchmal beschreiben sie echte Verantwortung. Gefährlich wird es, wenn sie jede Grenze verbieten und keine Erholung mehr erlauben.
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3.4 Warnzeichen im Verhalten
Verhalten Mögliche Bedeutung Alles sofort beantworten Der Körper bleibt ständig in Bereitschaft. Pausen mit Aufgaben füllen Ruhe fühlt sich unsicher oder verboten an. Kontakte absagen Soziale Energie ist kaum noch vorhanden. Kleine Fehler stark bewerten Das innere System hat wenig Toleranz übrig.
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3.5 Warnzeichen nicht wegorganisieren
Viele versuchen, Burnout mit noch besserer Organisation zu lösen. Listen, Kalender und Apps können helfen. Sie lösen aber nicht das Grundproblem, wenn insgesamt zu viel getragen wird. Wenn ein Eimer überläuft, hilft nicht nur ein schönerer Eimer. Es braucht weniger Zufluss oder mehr Abfluss. Darum ist die Frage wichtig: Habe ich ein Organisationsproblem, oder habe ich dauerhaft mehr Verantwortung, Reize und Erwartungen, als ein Mensch gesund tragen kann?
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4. Der Körper im Dauerstress
Stress ist nicht nur ein Gedanke. Der Körper bereitet sich auf Leistung, Schutz oder Kampf vor. Kurzfristig kann das helfen. Wenn dieser Zustand aber kaum endet, werden Schlaf, Verdauung, Muskeln, Immunsystem, Konzentration und Stimmung belastet.
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4.1 Warum Ruhe schwer sein kann
Viele Betroffene können sich nicht einfach entspannen. Der Körper bleibt wachsam. Selbst auf dem Sofa fühlt sich innerlich alles an, als müsste gleich die nächste Aufgabe kommen.
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4.2 Typische Körpersignale
Bereich Mögliche Signale Schlaf Ein- und Durchschlafprobleme, frühes Erwachen, nicht erholsamer Schlaf Körper Kopfschmerzen, Druck, Magenprobleme, Verspannung Nerven Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, innere Unruhe Energie Müdigkeit, schwere Glieder, Erschöpfung nach kleinen Aufgaben
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4.3 Warum Schlaf allein nicht reicht
Viele hoffen: Wenn ich endlich schlafe, ist alles wieder gut. Schlaf ist wichtig. Aber wenn dieselben Belastungen, derselbe Druck und dieselben inneren Antreiber unverändert bleiben, wird Schlaf allein oft nicht reichen. Erholung braucht mehrere Ebenen: weniger Reize, weniger Verantwortung, klare Prioritäten, körperliche Versorgung, emotionale Entlastung und manchmal professionelle Hilfe. Wer nur kurz ausruht und dann mit gleichem Tempo weitermacht, kommt schnell wieder an dieselbe Grenze.
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5. Selbstwert, Leistung und innere Antreiber
Burnout hängt oft mit inneren Sätzen zusammen. Sie können früher hilfreich gewesen sein. Irgendwann treiben sie aber über Grenzen hinweg. Antreiber Wie er klingt Entlastende Antwort Sei stark Ich darf niemanden enttäuschen. Stark sein kann auch heißen, Hilfe zu holen. Sei perfekt Fehler dürfen nicht passieren. Gut genug ist oft gesünder als perfekt. Mach es allen recht Meine Grenze ist weniger wichtig. Meine Grenze schützt auch Beziehungen. Streng dich an Pause muss verdient werden.
Pause ist Versorgung, keine Belohnung.
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5.1 Scham bei Erschöpfung
Viele schämen sich, weil sie nicht mehr leisten können wie früher. Doch Leistung ist kein Maß für Menschenwert. Ein erschöpfter Mensch ist nicht weniger wertvoll.
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6. Burnout und Depression unterscheiden
Burnout und Depression können sich überschneiden. Beide können mit Erschöpfung, Schlafproblemen, Rückzug, Hoffnungslosigkeit und Konzentrationsproblemen verbunden sein. Darum ist fachliche Abklärung wichtig. Burnout kann stärker passen Depression kann stärker passen Die Beschwerden hängen deutlich mit Dauerbelastung zusammen. Freude, Hoffnung und Selbstwert sind breit und tief beeinträchtigt. Entlastung verbessert zumindest etwas. Auch entlastete Zeiten fühlen sich leer und sinnlos an.
Wut, Zynismus und Überlastung stehen im Vordergrund. Schuld, Wertlosigkeit und Suizidgedanken stehen im Vordergrund. Wichtig Bei Suizidgedanken, Selbstgefährdung oder starker Hoffnungslosigkeit bitte sofort Hilfe holen. Dann geht es nicht um Abwarten.
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6.3 Wenn Burnout und Depression zusammen auftreten
Burnout und Depression können gleichzeitig vorkommen. Dauerstress kann depressive Beschwerden begünstigen. Eine Depression kann wiederum dazu führen, dass Aufgaben schwerer werden und der Druck steigt. Deshalb ist es wichtig, nicht nur nach einem Etikett zu suchen, sondern nach passender Hilfe. Besonders ernst sind Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, starke Schuldgefühle, deutlicher Interessenverlust und das Gefühl, für andere nur noch eine Last zu sein. Dann sollte nicht nur von Stress gesprochen werden.
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7. Beziehungen bei Burnout
Burnout verändert Nähe. Betroffene sind oft schnell gereizt, ziehen sich zurück oder haben keine Kraft mehr für Gespräche. Angehörige fühlen sich dann vielleicht abgewiesen, obwohl die Person eigentlich erschöpft ist.
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7.1 Was Nähe schwer macht
Zuhören kostet Kraft. Entscheidungen fühlen sich zu viel an. Fragen wirken wie neue Aufgaben. Schuldgefühle machen Kontakt schwerer.
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7.2 Hilfreiche Sätze
Ich sehe, dass du erschöpft bist. Was kann ich konkret abnehmen? Du musst mir nichts beweisen. Wir suchen Hilfe, bevor es noch schlimmer wird.
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8. Arbeit, Schule und Verantwortung
In Arbeit, Schule oder Studium entsteht Burnout oft nicht nur durch Menge. Auch fehlende Kontrolle, unklare Erwartungen, ständige Unterbrechungen, Konflikte, Verantwortung ohne Unterstützung und dauernde Erreichbarkeit können erschöpfen. Belastung Mögliche Entlastung Zu viele Aufgaben Prioritäten schriftlich klären. Belastung Mögliche Entlastung Dauernde Unterbrechung Fokuszeiten und klare Kommunikationswege vereinbaren. Unklare Erwartungen Ziele, Zuständigkeiten und Fristen konkret machen.
Keine Erholung Pausen, freie Zeiten und Erreichbarkeit schützen.
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8.1 Krankmeldung und Rückkehr
Eine Pause ist kein Scheitern. Manchmal ist sie nötig, damit Behandlung, Schlaf und Erholung überhaupt möglich werden. Rückkehr sollte schrittweise und realistisch geplant werden.
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8.2 Gespräche über Prioritäten
Viele Betroffene sagen zu allem Ja, weil jede einzelne Aufgabe wichtig wirkt. In einem Prioritätengespräch geht es nicht darum, ob eine Aufgabe grundsätzlich wichtig ist. Es geht darum, was jetzt zuerst kommt und was realistisch nicht gleichzeitig gehen kann. Frage Warum sie hilft Was muss heute wirklich passieren? Trennt akut von wichtig. Was kann warten? Nimmt Druck aus dem System. Was kann jemand anderes übernehmen? Macht Unterstützung konkret. Was passiert, wenn es nicht perfekt ist?
Prüft, ob Perfektion wirklich nötig ist.
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9. Erholung, die wirklich erholt
Nicht jede freie Zeit ist Erholung. Wer in der Pause innerlich weiterarbeitet, Aufgaben plant oder sich schuldig fühlt, erholt sich kaum.
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9.1 Drei Arten von Erholung
Art Beispiel Körperlich Schlaf, Essen, Bewegung ohne Leistungsdruck, medizinische Abklärung Emotional Entlastende Gespräche, weniger Konfliktdruck, Selbstmitgefühl Kognitiv Weniger Entscheidungen, klare Listen, digitale Pausen
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9.2 Kleine Schritte
Eine Aufgabe weniger. Eine klare Pause im Kalender. Ein Gespräch über Prioritäten. Eine Grenze schriftlich formulieren. Eine medizinische oder psychotherapeutische Abklärung anstoßen.
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9.3 Erholung ohne Leistungsziel
Auch Erholung kann zur Aufgabe werden. Dann soll man richtig meditieren, richtig schlafen, richtig bewegen und richtig gesund werden. Das erzeugt neuen Druck. Erholung darf klein und unspektakulär sein. Zehn Minuten ohne Bildschirm. Eine Mahlzeit ohne Nebenaufgabe. Ein Spaziergang ohne Fitnessziel. Ein Nein ohne lange Rechtfertigung. Ein Termin weniger in der Woche. Wichtig ist nicht, ob eine Maßnahme perfekt klingt. Wichtig ist, ob sie an echten Tagen umsetzbar bleibt.
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10. Was Angehörige und Teams tun können
Unterstützung beginnt mit Ernstnehmen. Burnout ist nicht einfach schlechte Organisation. Oft ist das System überlastet: Person, Umfeld, Aufgaben und Erwartungen passen nicht mehr zusammen. Weniger hilfreich Hilfreicher Du musst nur abschalten. Was können wir konkret reduzieren? Du bist nicht mehr wie früher. Ich sehe, dass du lange über deine Grenze gegangen bist. Nimm dir halt frei. Lass uns schauen, welche Hilfe und Veränderung nötig ist.
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10.1 Grenzen für Helfende
Auch Angehörige und Kolleginnen dürfen Grenzen haben. Hilfe sollte nicht auf einer einzigen Person lasten.
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10.2 Wenn Helfen selbst erschöpft
Angehörige und Teams können nur gut unterstützen, wenn sie nicht selbst in dauernde Überforderung geraten. Es hilft, Verantwortung zu verteilen und klare Rollen zu vereinbaren. Eine Person muss nicht alles auffangen. Absprache Hilfreich kann eine kurze Absprache sein: Wer übernimmt was? Was ist heute wichtig? Wann holen wir professionelle Hilfe dazu? Was kann nicht von Angehörigen oder Kolleginnen gelöst werden?
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11. Warnsignale und Krise
Burnout kann in eine schwere psychische Krise führen. Besonders ernst sind Suizidgedanken, völlige Hoffnungslosigkeit, starker Alkohol- oder Drogenkonsum, Panik, Zusammenbrüche oder das Gefühl, nicht mehr sicher zu sein. Sofort handeln Bei akuter Gefahr: 112. Bei dringendem medizinischem Bedarf außerhalb normaler Praxiszeiten: 116117. Bei seelischer Krise: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.
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11.1 Sicherheitsplan
Nicht allein bleiben. Eine vertraute Person informieren. Gefährliche Mittel aus der Nähe entfernen lassen. Notaufnahme, 112 oder Krisendienst nutzen.
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12. Rückfallvorsorge
Wenn es besser wird, kommt oft der Wunsch, alles aufzuholen. Genau dann ist Vorsicht wichtig. Wer zu schnell in dieselben Muster zurückkehrt, landet leicht wieder in derselben Erschöpfung. Frühzeichen Reaktion Pausen fallen zuerst weg Pausen als Termine behandeln. Reizbarkeit steigt Belastung prüfen, nicht nur Verhalten bewerten. Schlaf kippt Früh ärztlich oder therapeutisch ansprechen. Alles wird dringend Prioritäten mit anderer Person sortieren.
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12.1 Rückkehr nicht als Neustart bei 100 Prozent
Nach einer Pause wirkt der Wunsch groß, sofort wieder voll da zu sein. Doch ein gesundes Zurückkommen braucht Stufen. Wenn die alte Belastung unverändert zurückkommt, ist die Gefahr groß, dass auch die alte Erschöpfung zurückkommt. Bereich Frage vor der Rückkehr Aufgaben Was ist reduziert oder anders priorisiert? Zeit Gibt es Puffer und Pausen? Kommunikation Sind Erwartungen schriftlich klar? Warnzeichen Wer merkt mit, wenn es wieder kippt?
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12.2 Was nach Besserung erhalten bleiben sollte
Wenn es besser wird, verschwinden Schutzmaßnahmen oft zuerst. Genau das ist riskant. Pausen, klare Arbeitszeiten, weniger Erreichbarkeit und Prioritäten sind nicht nur Übergangshilfen. Sie können Teil langfristiger Stabilität sein.
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13. Kleine Arbeitsblätter
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13.1 Belastungs-Ampel
Stufe Woran ich es merke Was hilft Grün Ich kann planen und mich erholen. Pausen halten, Grenzen nicht testen. Gelb Ich werde gereizt, müde, eng im Denken. Aufgaben reduzieren, Unterstützung holen. Rot Ich breche zusammen oder bin nicht sicher. Nicht allein bleiben, professionelle Hilfe.
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13.2 Satz zum Weitergeben
Vorlage Ich bin nicht nur müde. Ich bin stark erschöpft und brauche konkrete Entlastung. Hilfreich wäre, Aufgaben zu priorisieren, etwas abzunehmen und Hilfe mit mir zu organisieren.
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14. Fallbeispiele aus dem Alltag
Fallbeispiele können helfen, Burnout nicht nur als Begriff zu verstehen. Die folgenden Beispiele sind allgemein gehalten. Sie sollen typische Muster zeigen, ohne einzelne Menschen festzulegen.
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14.1 Wenn Verantwortung nie endet
Eine Person kümmert sich im Beruf um viele Aufgaben und zu Hause um Familie, Termine und Organisation. Sie sagt selten Nein, weil immer etwas wichtig ist. Irgendwann merkt sie: Selbst freie Stunden fühlen sich nicht frei an. Der Kopf bleibt bei Listen, Fristen und dem Gefühl, gleich etwas zu vergessen. Hilfreich ist hier nicht nur eine Pause. Hilfreich ist, Verantwortung sichtbar zu machen und zu verteilen. Was gehört wirklich zu mir? Was ist nur bei mir gelandet, weil ich es immer gemacht habe?
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14.2 Wenn Erholung Schuldgefühle macht
Eine Person legt sich hin und fühlt sofort Unruhe. Der Körper ist müde, aber der innere Kritiker sagt: Du bist faul. Andere arbeiten auch. Dadurch wird jede Pause zu einem Kampf. Ein erster Schritt kann sein, Pause nicht als Luxus zu sehen, sondern als medizinisch und psychisch sinnvolle Versorgung. Erholung ist Teil der Lösung, nicht das Gegenteil von Verantwortung.
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15. Hilfreiche Sätze zum Weitergeben
Viele Betroffene wissen in Erschöpfung nicht, wie sie ihre Lage erklären sollen. Kurze Sätze können helfen, ohne lange Rechtfertigung eine Grenze oder Bitte auszusprechen. Situation Möglicher Satz Zu viele Aufgaben Ich kann das nicht zusätzlich übernehmen. Bitte sag mir, was Priorität hat. Gespräch mit Angehörigen Ich bin nicht abweisend. Ich bin erschöpft und brauche gerade wenig Reize. Arzttermin Ich funktioniere noch, aber ich erhole mich nicht mehr.
Rückkehr Ich brauche einen stufenweisen Einstieg und klare Grenzen. Eigener Satz Mein wichtigster Satz für diese Woche lautet: Ich darf Entlastung ernst nehmen, bevor ich komplett ausfalle.
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16. Vorbereitung auf professionelle Hilfe
Ein Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer therapeutischen Fachperson muss nicht perfekt vorbereitet sein. Es reicht, die wichtigsten Veränderungen zu benennen. Frage Notiz Seit wann geht es so? Datum, Phase oder grobe Erinnerung. Was hat sich verändert? Schlaf, Körper, Arbeit, Beziehungen, Stimmung. Was geht kaum noch? Aufgaben, Entscheidungen, Konzentration, Erholung. Frage Notiz Was macht Angst? Ausfall, Krise, Suizidgedanken, körperliche Symptome.
Wer zu erschöpft ist, darf eine vertraute Person bitten, beim Termin, beim Telefonat oder beim Sortieren von Unterlagen zu helfen.
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17. Zusammenfassung
Burnout bedeutet nicht, dass ein Mensch zu schwach war. Häufig bedeutet es, dass Belastung, Verantwortung und innere Antreiber zu lange stärker waren als Erholung, Einfluss und Unterstützung. Wichtig Kurz gesagt Warnzeichen Erschöpfung, Schlafprobleme, Reizbarkeit und innere Distanz ernst nehmen. Entlastung Aufgaben, Erwartungen und Verantwortung konkret reduzieren. Hilfe Ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung nutzen, besonders bei Krise.
Rückkehr Nicht bei 100 Prozent starten, sondern Stufen und Grenzen planen.
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18. Karte zum Weitergeben
Diese kurze Karte kann helfen, wenn lange Erklärungen zu viel sind. Kurztext Ich bin stark erschöpft. Bitte gib mir keine allgemeinen Durchhalte- Sätze. Hilfreich sind konkrete Entlastung, klare Prioritäten, wenig zusätzliche Reize und Unterstützung beim Organisieren professioneller Hilfe. Wer diese Karte nutzt, muss sich nicht rechtfertigen. Sie soll Gespräche vereinfachen, nicht alles erklären.
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19. Glossar
Begriff Bedeutung Burnout Zustand tiefer Erschöpfung nach längerer Belastung, häufig im Zusammenhang mit Arbeit oder Verantwortung. Dauerstress Belastung, bei der Körper und Psyche kaum in Erholung kommen. Begriff Bedeutung Innere Antreiber Gelernte Sätze, die Menschen über Grenzen treiben können. Rückkehrplan Schrittweise Planung nach Pause oder Krankheit.
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20. Quellen und weiterführende Informationen
World Health Organization: Burn-out as an occupational phenomenon. https://www.who.int gesund.bund.de: Stress und psychische Gesundheit. https://gesund.bund.de NICE: Depression in adults: treatment and management. https://www.nice.org.uk/guidance/ng222 116117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst. https://www.116117.de TelefonSeelsorge. https://www.telefonseelsorge.de